Unterhaltsreinigung: Kosten pro Quadratmeter realistisch einordnen

Die Frage nach dem Quadratmeterpreis ist verständlich und trotzdem die falsche. In der Gebäudereinigung entsteht der Preis über die Zeit, nicht über die Fläche – der Quadratmeterpreis ist nur das Ergebnis einer Division. Wer das versteht, kann Angebote vergleichen, statt Endsummen nebeneinanderzustellen.
Das Wichtigste in Kürze
- Über 90 Prozent der Kosten sind Personalkosten – Material fällt kaum ins Gewicht.
- Der Preis ergibt sich aus Stundensatz mal Zeitansatz; der Zeitansatz kommt aus der Flächenleistung.
- Übliche Stundensätze in der Unterhaltsreinigung liegen bei 30 bis 40 Euro.
- Umgerechnet ergeben sich je Durchgang grob 0,40 bis 1,20 Euro pro Quadratmeter, je nach Objektart.
- Auffällig günstige Angebote senken fast immer den Zeitansatz, nicht den Stundensatz.
Warum es keinen Quadratmeterpreis gibt
Ein Quadratmeter Großraumbüro und ein Quadratmeter Sanitärbereich sind in der Reinigung zwei völlig verschiedene Dinge. Im Großraum läuft ein Wischbezug in einer Bahn über zwanzig Quadratmeter, im Sanitärbereich stehen Objekte, die einzeln angefasst werden müssen: Becken, Armatur, Spiegel, Spender, WC, Trennwand. Der Zeitaufwand unterscheidet sich um ein Vielfaches.
Deshalb kalkulieren Reinigungsbetriebe nicht in Euro pro Quadratmeter, sondern in Minuten. Erst am Ende wird die Summe durch die Fläche geteilt, damit eine vergleichbare Kennzahl entsteht. Dieser abgeleitete Wert taugt zur groben Einordnung – aber nur, wenn man weiß, welche Flächen und welcher Turnus dahinterstehen.
Die zwei Größen, die den Preis bestimmen
Der Stundensatz deckt Lohn, Lohnnebenkosten, Urlaubs- und Krankheitsvertretung, Material, Maschinen, Betriebshaftpflicht, Verwaltung und Marge ab. In der Unterhaltsreinigung bewegt er sich üblicherweise zwischen 30 und 40 Euro. Deutlich darunter wird es rechnerisch eng, sobald man den Tariflohn im Gebäudereiniger-Handwerk plus Nebenkosten gegenrechnet.
Die zweite Größe ist die Flächenleistung: wie viele Quadratmeter eine Kraft in einer Stunde schafft. Sie ist die eigentliche Stellschraube und der Punkt, an dem sich seriöse und unseriöse Kalkulation unterscheiden.
- Büroflächen, offen möbliert: etwa 200 bis 300 m² pro Stunde
- Treppenhäuser und Podeste: etwa 150 bis 250 m² pro Stunde
- Sanitärbereiche: deutlich darunter, häufig unter 80 m² pro Stunde
- Hallenflächen mit Scheuersaugmaschine: 700 bis 1.500 m² pro Stunde
Eine Beispielrechnung
Ein Büro mit 400 Quadratmetern, davon 40 Quadratmeter Sanitär, soll dreimal wöchentlich gereinigt werden. Für die 360 Quadratmeter Bürofläche bei 250 Quadratmetern pro Stunde ergeben sich rund 1,45 Stunden. Für den Sanitärbereich bei 80 Quadratmetern pro Stunde weitere 0,5 Stunden. Macht knapp zwei Stunden je Durchgang.
Bei 35 Euro Stundensatz sind das rund 70 Euro pro Durchgang, bei etwa 13 Durchgängen im Monat also grob 900 Euro. Auf die Fläche gerechnet: 0,17 Euro pro Quadratmeter und Durchgang – ein Wert, der ohne den Kontext von Turnus und Sanitäranteil nichts aussagt.
Genau deshalb sind pauschale Quadratmeterpreise aus dem Internet mit Vorsicht zu genießen: Sie beziehen sich mal auf den Durchgang, mal auf den Monat, mal auf reine Bürofläche, mal auf die Gesamtfläche.
Woran man ein zu knappes Angebot erkennt
Wenn ein Angebot deutlich unter den Wettbewerbern liegt, lohnt der Blick auf den Zeitansatz statt auf die Endsumme. Steht dort für 400 Quadratmeter eine Stunde, ist das keine günstige Kalkulation, sondern eine, die nur aufgeht, wenn etwas weggelassen wird.
Fehlt im Angebot die Häufigkeit je Tätigkeit – steht also „Büroreinigung“ statt „Schreibtischflächen freigeräumt feucht wischen: 3× wöchentlich“ –, ist der Vergleich ohnehin nicht möglich. Fordern Sie in dem Fall das Leistungsverzeichnis nach. Ein Betrieb, der sauber kalkuliert, hat es ohnehin.
Was den Preis zusätzlich bewegt
Neben Fläche und Turnus gibt es Faktoren, die den Zeitansatz spürbar verändern und deshalb im Angebot auftauchen sollten: der Bodenbelag, die Möblierung, die Verteilung über Etagen, das Vorhandensein eines Materialraums mit Wasseranschluss und die Frage, ob im Objekt ein Aufzug zur Verfügung steht.
Auch das Zeitfenster spielt eine Rolle. Reinigung vor 6 Uhr oder nach 20 Uhr wird in der Regel mit Zuschlägen kalkuliert, ebenso Wochenendarbeit. Wer flexibel ist, kann hier Geld sparen, ohne an der Leistung zu drehen.
Häufige Fragen
Was kostet Büroreinigung pro Monat?
Für ein Büro mit 400 Quadratmetern und dreimal wöchentlicher Reinigung liegt die Größenordnung bei etwa 800 bis 1.100 Euro im Monat, abhängig vom Sanitäranteil, der Möblierung und dem Bodenbelag. Verbindlich wird es erst nach der Objektbegehung.
Ist Reinigung nach Stunden oder nach Fläche besser?
Für den Auftraggeber ist die Abrechnung nach Fläche mit festgelegtem Leistungsverzeichnis meist die bessere Wahl: Sie liefert einen festen Monatspreis und macht das Ergebnis prüfbar. Stundenabrechnung ist sinnvoll für unregelmäßige Zusatzarbeiten.
Kommt zu dem Preis noch Material dazu?
Reinigungsmittel und Maschinen sind üblicherweise im Preis enthalten. Verbrauchsmaterial wie Seife, Papierhandtücher und Toilettenpapier ist es meistens nicht – das wird entweder gesondert abgerechnet oder vom Auftraggeber gestellt.
Warum unterscheiden sich Angebote so stark?
In fast allen Fällen wegen unterschiedlicher Zeitansätze, seltener wegen unterschiedlicher Stundensätze. Wenn zwei Angebote dieselben Flächen mit denselben Häufigkeiten führen und trotzdem weit auseinanderliegen, lohnt die Nachfrage nach den kalkulierten Stunden.
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